500 Jahre Reformation

500 Jahre Reformation
Begegnung mit dem Reformator: Anregend. Herausfordernd. Identitätsstiftend

 

Seit April arbeite ich (sozusagen) mit Luther zusammen. Er steht als (fast) lebensgroße Playmobil-Figur neben meinem Schreibtisch, liest Emails mit, hört den Gesprächen und Telefonaten zu, schaut mir über die Schulter.
Ich empfinde diese Begegnung mit Luther als bemerkenswert inspirierend. Sie öffnet den Blick für unsere kirchlichen und unsere gesellschaftlichen Fundamente. Vor 500 Jahren markierte und beförderte die Reformation das Ende des Mittelalters und den Beginn der Neuzeit. Es wurden Weichen gestellt, die unser heutiges gesellschaftliches Koordinatensystem bestimmen und uns vor Augen führen, wer wir sind und was uns stark gemacht hat.

 

Luthers Rede vom „Priestertum aller Getauften“ bedeutet einen „Gleichheitsimpuls“ und korrespondiert mit dem Übergang der Ständegesellschaft zur Bürgergesellschaft. Die Bürgerinnen und Bürger beginnen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und zivilgesellschaftliche Strukturen auszubilden: Grundlage unseres Sozialstaates mittel- und nordeuropäischer Prägung.

 

Luther hat die Lehrinstanz für Glaubenswahrheiten aus der Autorität der Bischöfe genommen und im

Gewissen des Einzelnen verortet. Ein Freiheitsimpuls, der die Verantwortung des Einzelnen, des Individuums begründet und ein Bildungsimpuls zugleich ist: Um sich ein Urteil zu bilden, müssen alle in der Lage sein, die Bibel zu lesen und zu verstehen. Mit der Übersetzung und Verbreitung der Bibel werden die Voraussetzungen dafür geschaffen. Heute verstehen wir Bildung als Grundrecht und Grundlage der Chancengleichheit.

 

Zivilgesellschaft und Sozialstaat, Freiheit und Verantwortung, Bildung und Chancengleichheit sind zentrale Begriffe unserer heutigen gesellschaftspolitischen Diskussionen. Wie damals scheinen wir heute in einer Zeit des Umbruchs zu leben. Wiederum begleitet von einer Medienrevolution: Damals der Buchdruck – heute die Digitalisierung.

 

Für uns als Kirche ist wegweisend, dass Luther Theologie und Verkündigung ganz konsequent an der Bibel orientiert hat. Immer wieder aufs Neue gilt es, die biblische Botschaft im Hier und Jetzt lebendig werden zu lassen und verantwortungsbewusst in die Gegenwart ein zu tragen. Das befreit uns von dogmatischen Festlegungen und Verengungen.

 

Wir feiern das 500. Jubiläumsjahr der Reformation auf vielfältige Weise: Stolz auf unsere Tradition, offen und ökumenisch in unserer Haltung, kritisch und zukunftsgerichtet angesichts aktueller gesellschaftlicher Diskurse, aufrichtig im Blick auf die dunklen Kapitel unserer Geschichte.

 

Sie haben anlässlich des Reformationsjubiläums viele Gelegenheiten, Luther zu begegnen. Ich freue mich auf ein intensives Jahr: Anregend. Herausfordernd. Identitätsstiftend.

 

Ihr
Ralph Hartmann
Dekan

 

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500 Jahre Reformation: Thesentür auf Wanderschaft

 

Dieser Moment hat sich als Vorstellung stark eingeprägt: Wie Martin Luther der Legende nach am 31.10.1517 an der Tür der Schlosskirche zu Wittenberg seine 95 Thesen veröffentlicht. Dieser symbolhafte Moment wird zu einem roten Faden für das Reformationsjubiläum in Mannheim und Ludwigshafen. In beiden Städten werden Thesentüren unterwegs sein: Als große Holztür und als digitale Version.

 

Die 3D-Version startet, gebaut von der Gemeindediakonie, als beschreibbare Tür in der Quadratestadt: An ihr laden monatlich wechselnde Thesen zur „Disputation“, zur Auseinandersetzung, ein. Dabei geht es um Fragen wie: Um wen müssen wir uns mehr kümmern? Wofür bin ich dankbar? Der Himmel, wo ist er? Was möchte ich meinen Kindern weitergeben?

Von Oktober 2016 bis Oktober 2017 stehen diese Thesentüren in vielen Kirchen und regen zu Diskussionen an: in Gruppen und Kreisen, im Religionsunterricht, auf der Homepage oder anderswo.

 

Am 08.01.17 startet in Ludwigshafen die digitale Version der Thesentür. Sie lädt zusätzlich dazu ein, das Geschehen von damals informativ und spielerisch (neu) zu ergründen. Begleitend dazu kann auch online der Weg der Tür verfolgt werden. Online findet sich auch der jeweilige Standort und ein Blog, auf dem die Thesendiskussion nachvollzogen werden kann. Gemeinsam unterwegs sind beide Tür-Versionen dann vom 29. April bis zum 9. Mai 2017 auf dem Maimarkt: Am Stand der beiden Kirchenbezirke.

 

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Start des Reformationsjubiläums
Festgottesdienst in CityKirche Konkordien: „Gottes Wort mit Händen greifen“

 

Mit einem zentralen Festgottesdienst feiert die Evangelische Kirche in Mannheim den Reformationstag, der in diesem Jahr den Beginn des Jubiläumsjahres 2017 markiert. Festprediger am 31.10. um 19 Uhr in der CityKirche Konkordien (R2) ist Prof. Dr. Hermut Löhr, Münster, der an der Revision der Lutherbibel 2017 mitgewirkt hat. Er spricht über „Gottes Wort mit Händen greifen“. Der Thesenanschlag Luthers vor 500 Jahren wird zudem mit der Thesentür aufgegriffen, die im Jubiläumsjahr in vielen evangelischen Gemeinden Mannheims zu Gespräch und Diskussion anregen wird. Im Gottesdienst verleiht Synodenvorsitzende Hannelore Dänzer die Konkordienmedaille: Mit dieser höchsten Auszeichnung wird jedes Jahr ein ehrenamtlich besonders engagiertes Kirchenmitglied geehrt. Anschließend Empfang. (dv)

 

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