ehem. Immanuelkirche

Für die Bewohner des Mannheimer Stadtteils Casterfeld, der nach dem Namen des dortigen Gewanns auch Sporwörthsiedlung genannt wurde, ging ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Im Jahre 1967 wurde das Gemeindehaus eingeweiht, dessen Richtfest zwei Jahre zuvor, im Oktober 1965, gefeiert wurde. Auf eine eigene Kirche jedoch musste die Gemeinde noch 16 Jahre verzichten.

Die feierliche Schlüsselübergabe des Gemeindehauses nahm Pfarrer Guggholz, dem Stellvertreter des erkranken Dekan Schmidt, vor. Er überreichte ihn an Pfarrerin Else Frank, die als erste Pfarrerin in Baden-Württemberg eine eigene Gemeinde leitete. Sie wurde vom Oberkirchenrat zum 1. September des Jahres 1967 für das Amt bestellt. Jedoch musste zuvor die Landessynode dem Gesetz über Gemeindepfarrerinnen zustimmen. In seiner Ansprache überbrachte der damalige Bürgermeister David Grüße des Oberbürgermeisters. Die Stadtverwaltung finde es gut, so David, dass es trotz der schwierigen Situation gelungen sei, das Gemeindehaus zügig zu errichten.

 

Er bewundere eine Gemeinde, die "so lange gewartet und durchgehalten hat", sagte Landesbischof Prof. Dr. Klaus Engelhardt während des Festgottesdienstes zur Einweihung der Immanuelkirche am 21. November 1982. Seit 1966 stand der Kirchenbau als Rohbau an der Sporwörthstrasse, doch erst an diesem Tag konnte der erste Gottesdienst darin gefeiert werden. Der Heidelberger Architekt Hauss übergab den Kirchenschlüssel über Schuldekan Hartmut Greiling an Pfarrvikarin Monika Mayer-Spraul (sie sollte 1984 als Pfarrerin in der Immanuelgemeinde eingeführt werden), und damit an die Gemeinde. Bis dahin mussten sich die Kirchgänger mit dem Gemeindehaus begnügen; für den Innenausbau der Kirche fehlte fünfzehn Jahre das Geld. Letztendlich durch den Druck des Ältestenkreises und wegen der Befürchtung eines Massenaustrittes aus der Kirche seitens der aufgebrachten Bevölkerung wurde das Bauwerk dann zügig fertiggestellt.

 

Wie sehr die Gemeinde auf diesen Tag gewartet hat, zeigte auch die Besucherzahl beim Einweihungsgottesdienst. Mehr als 500 Besucher füllten die Kirche bis zum letzten Stehplatz. Der damalige Leiter des Kirchengemeindeamtes, Werner Elker, berichtete, dass der Rohbau seinerzeit 200.000 DM gekostet habe, die Fertigstellung dagegen das Vierfache verschlang.

Das innen und aussen aus Beton und Klinkersteinen bestehende Bauwerk war von vielen Grünflächen, Hecken und schattenspendenden Bäumen umgeben. Die kantige äußere Form der Kirche ließ die Leichtigkeit des Deckengewölbes im Inneren nicht vermuten. Die lose Bestuhlung erlaubte einen leichten Wandel im Aussehen des Innenraumes. Rund um den Kirchenraum waren in den Seitengängen weitere Bänke eingebaut. Zusätzlicher Platz fand sich auf der Empore, die sich an der Rückseite des Raumes befand.

 

Der Altarraum war zwischen der Kanzel und der Orgel eingebettet. Dahinter befand sich ein Edelstahlkreuz, in das weiße und blaue Ornamente eingelassen waren. Neben dem hölzernen, achteckigen Altartisch befanden sich zwei aus Edelstahl und Glas hergestellte Leuchter. Der Form des Altars war auch die "Krone" darüber angepasst. Der ebenfalls aus Edelstahl bestehende Beleuchtungskörper hing in zwei Ebenen von der Decke und schwebte über dem gesamten Altarraum.

 

Den Kirchenboden schmückte ein Mosaik aus weißem und blauen Marmor, der sich ebenfalls am und um das Taufbecken fand.

 

Licht fiel in die Kirche durch Fenster in den Seitengängen und wurde durch halbrunde Fenster am oberen Rand der Kirche ergänzt, die sich der Formation des Deckengewölbes anpassten.

Im Sommer des Jahres 2010 wurde die Immanuelkirche verkauft. Die Immanuel-Pfingstberggemeinde entschloss sich zu diesem Schritt, nachdem abzusehen war, dass die hohen Kosten der Bauunterhaltung in absehbarer Zeit zu unlösbaren finanziellen Kosten geführt hätten.

 

Am 20. März 2011 wurde ein letzter Gottesdienst in der Immanuelkirche gefeiert. Die Entwidmung der Kirche nahm Dekan Günter Eitenmüller vor. Damit verabschiedete sich die Gemeinde von ihrem Gotteshaus, das durch seinen neuen Besitzer evoHaus einer anderen Bestimmung zugeführt und zu einem modernen Passivhaus mit mehreren Wohneinheiten umgebaut wird. Im Anschluss an den Gottesdienst informieren Dekan Eitenmüller und der neue Eigentümer in einer Gemeindeversammlung über den aktuellen Stand der Planungen im Casterfeld. Auf der jetzt unbebauten Fläche soll ein neuer Kindergarten gebaut werden, in dem auch Räumlichkeiten für das Gemeindeleben zur Verfügung stehen.

„Die Kirche ist ein Symbol für evangelisches Gemeindeleben in Casterfeld. Es fällt den Leuten schwer, sich von ihrer Kirche zu trennen" sagt Pfarrer Hansjörg Jörger, "doch bin ich ganz zuversichtlich, dass mit der geplanten gebäudlichen Neuorientierung das Gemeindeleben wieder aufblühen wird.“

 

Im Frühjahr 2012 teilt evoHaus mit, dass die ehemalige Immanuelkirche gänzlich abgerissen wird. Nach Angaben des Eigentümers konnten die Umbaupläne zu einem Wohnhaus nicht in Einklang mit den Sicherheitsbestimmungen der Stadt Mannheim gebracht werden. 

 

WS

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