Evangelische Immanuel-Pfingstberg-Gemeinde

Gemeindezentrum Immanuel

 

Am 29. September 2013 wird im Casterfeld das evangelische Gemeindezentrum eingeweiht.


Hansjörg Jörger ist kein Mann großer Worte. Doch angesprochen auf seine Empfindungen beim Blick auf dieses Projekt, da formuliert der Pfarrer der evangelischen Immanuel-Pfingstberg-Gemeinde spontan: "Ich bin sehr zufrieden. Nein, ich bin glücklich!" Denn nach jahrelanger, auch für ihn persönlich nicht immer einfacher Diskussion kann er für den 29. September, 10.30 Uhr, zur Einweihung des neuen Gemeindezentrums im Casterfeld einladen.
Zuweilen, so bekennt er freimütig, habe auch er selbst nicht mehr daran geglaubt, dass es doch noch dazu kommen werde. Denn die Schwierigkeiten waren immens.

 

Vorgeschichte des Neubaus

Im Jahre 2001 wurden die Pfingstberg- und die Immanuel-Gemeinde zusammengeführt. Pfarrer Jörger vom Pfingstberg übernahm die Leitung der neuen Fusionsgemeinde. Beide Gemeinden hatten eine Kirche - zu viel angesichts der Zahl ihrer Gläubigen und der beschränkten Finanzen. Da die 1982 fertiggestellte Immanuelkirche sanierungsbedürftig war, wurde entschieden, den sie tragenden Teil des Grundstücks zu verkaufen - 2010 an die Firma Evohaus, die dort Wohnungen errichtete. Der Erlös wurde verwendet, um auf dem anderen Teil des Grundstücks ein neues, kleineres Gemeindezentrum samt Kindergarten zu errichten. 2012 war Baubeginn.

 

Zunächst kam die Finanzkrise von 2008 dazwischen. Drei Immobilienfirmen, die am Grundstück der alten Immanuelkirche interessiert waren, mit dessen Erlös der Neubau ja finanziert werden sollte, sprangen ab. Es dauerte zwei Jahre, bis ein neuer Investor gefunden wurde.
Der Verkaufserlös in Höhe einer runden Million war nun vorhanden. Trotzdem konnte es immer noch nicht losgehen. Es fehlte der Zuschuss der Stadt Mannheim für die Kita, die Teil des neuen Gemeindezentrums ist. Zwei Jahre dauerte es, bis auch dieser genehmigt war. Entworfen wurde er von der Architektin Christiane Hauss, deren Vater bereits die frühere Immanuelkirche mitkonzipiert hatte. Aufgrund dieser Verzögerungen konnten die angedachten Baukosten in Höhe von 1,75 Millionen Euro nicht ganz eingehalten werden. Aber die Gemeinde hatte Polster angelegt, so dass daraus keine Probleme für das Projekt entstehen mussten.

 

Die Kindertagesstätte mit ihren zwei Kindergarten- und einer Krippengruppe ist bereits eingezogen. "Auch die Erzieherinnen freuen sich sehr", berichtet Pfarrer Jörger. Neben der Kita umfasst das Bauwerk im Erdgeschoss einen Sakralraum mit rund 100 Plätzen. Die Landeskirche hat leihweise außerdem eine Orgel zur Verfügung gestellt, die sich bislang in Heidelberg befand.


Dieser Sakralraum wird sich, um es einfach zu formulieren, als Ort der Gottesdienste der Gemeinde mit der Pfingstbergkirche "abwechseln": Im Sommer sollen die Gottesdienste weiter auf dem Pfingstberg stattfinden, im Winterhalbjahr aber hier im Casterfeld - auch, um die hohen Heizkosten für die Pfingstbergkirche mit ihren riesigen Glasflächen zu sparen, die gut 10?000 Euro betragen. Die großen Gottesdienste der Gesamtgemeinde etwa an Heiligabend werden jedoch auch weiterhin in der Pfingstbergkirche stattfinden.

 

In die Räume im Souterrain ziehen die Gruppen der Gemeinde ein, die während der Bauzeit im Maria-Scherer-Haus und auf dem Pfingstberg eine Heimat fanden. "Ganz allmählich wird hier wieder Casterfelder Gemeindeleben entstehen", ist Pfarrer Jörger zutiefst überzeugt.

 

Denn es wurde dafür gesorgt, dass sich die Gläubigen hier auch emotional geborgen fühlen. So wird der historische Taufstein aus der alten Immanuelkirche bewahrt und hier integriert - zwar nicht im Sakralraum, der dafür zu klein ist, aber im Außenbereich. "Bei schönem Wetter können also Taufen im Freien vorgenommen werden", freut sich Jörger.

 

Das Bauwerk wird auch in den Ortsteil hineinwirken. Denn die Altar-Nische des Sakralraumes grenzt an den Gehweg. Passanten, die an der dortigen Bushaltestelle warten, blicken auf das Kreuz - Kirche mitten im Alltagsleben, so wie es ja sein soll.


"Es ist ein funktionales und ein schönes Gebäude", betont Jörger, ja "ein wahres Schmuckstück für das Casterfeld". Und: Während anderswo Kirchen verkauft werden, ist dies neben Neuhermsheim aktuell der einzige Neubau einer evangelischen Kirche in Mannheim. So formuliert Jörger: "Wir sind Glückskinder."

 

© Konstantin Groß Mannheimer Morgen, Freitag, 20.09.2013